Jessica Siegel

vita incognita

Die Künstlerin hat keine Erinnerung an ein Zusammensein mit ihrem leiblichen Vater. Doch eines Tages bekommt sie einen Film, der sie als Kind in liebevoller Beziehung mit ihm zeigt. Diese Bilder brechen das Lebensnarrativ der Frau auf und sie versucht, die Filmsequenzen als Mosaiksteine eines neuen Identitätsbildes zu benutzen. Doch beim Durchdringen des Materials zerfallen Motive einer glücklichen Kindheit in mediale Selbstinszenierungen. Erst als die Filmaufnahmen ihres Vaters einen verwandten Blick für die Dinge in seiner Umgebung offenbaren, stellt sich das ersehnte Gefühl der Nähe ein. Im Betrachten der Welt verbringt die Frau nun Zeit mit ihrem Vater. Schließlich lösen sich scheinbare Erinnerungen im Zelluloid der Filmspulen auf. Was bleibt ist der Blick der Fotografin, mit dem sie sich die überlieferten Bilder als ihr Werk aneignet.

The artist has no memories of interacting with her biological father. But one day she receives an old film that shows them affectionately interacting when she was a child. These images lead to a crack in the woman‘s life-narrative and she uses the film sequences as a mosaic to create a new image of herself. Through a closer examination of the material, however, the motifs of a happy childhood unravel, exposing staged settings. Only when her father‘s film footage reveals a childlike curiosity, do the desired feelings of intimacy emerge. In her re-imagined world, the woman now spends time with her father. Eventually, supposed memories dissolve in the film spool‘s celluloid. What remains is the photographer‘s eye with which she transforms the fleeting images in vita incognita.

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